2.2 Wie frontal, wie partizipativ

Ein zentrales Thema der Interaktionsformate ist die Frage: wie frontal oder wie partizipativ soll meine Veranstaltung sein? Frontale Formate brauchen weniger Technik und Anwendungskompetenz, aber sind ermüdender und verzichten darauf, so manches Potential der Teilnehmer:innen zu heben. Die Vor- und Nachteile von Teilhabe gegenüber frontalen Formaten ist ausgiebig im Bereich Bildung besprochen worden, dennoch greifen wir bei Konferenzen gewohnheitsmäßig auf Vortrag, Podiumsdiskussion oder Interview zurück - das gilt analog wie digital. Doch auch frontale Veranstaltungen lassen sich an vielen Stellen durch die Beteiligung ‘des Raumes’ anreichern oder auflockern.

Wenn ich z.B. von Anfang an die Bereitschaft der Teilnehmer:innen aktivieren möchte, ihre Aufmerksamkeit ganz auf das digitale Geschehen zu richten, lasse ich die ersten 20 Minuten nicht nur mit der Begrüßung, Agenda und technischen Hinweisen verstreichen. Ich wähle lieber ein interaktives Format, das alle Teilnehmer einbindet, die Möglichkeit eröffnet, erste eigene Gedanken einzubringen oder anderen kurz persönlich zu begegnen. Dafür eignet sich z.B. der 10-minütige Austausch “Impromptu Network” oder auch ein Format, das sich in Anlehnung an Alice in Wonderland “Mad Tea” und auf der Kraft des schnellen, intuitiven Schreibens aufbaut.

Die Versuchung, sich im Schutze eines ausgeschalteten Videos oder Tons abzulenken, ist digital ungleich höher als im gleichen Raum. Wie also plane ich klug die gemeinsame Zeit, die sich Teilnehmer:innen und Referent:innen nehmen? Wie lassen sich frontale Blöcke so knacken, dass die Teilnehmer:innen nicht gelangweilt wegsacken? An den Gesichtern sind diese energetischen Zustände im digitalen Raum kaum noch auszumachen, und das Lüften des Raumes fällt physisch ohnehin weg.

Die digitale Welt bietet aus technischer Sicht mittlerweile vielfältige Möglichkeiten, auch das Repertoire an Interaktionstechniken ist differenziert und zugänglich (z.B. sind Liberating Structures unter den Common Creatives lizensiert und dürfen von jedem eingesetzt werden). Außerdem erweitern auch gestalterische Mittel und Körpertechniken unsere Möglichkeiten zu Ausdruck, Austausch und Dokumentation. Beispiel: die Verbreitung der Design Thinking Methodik hat einen großen Beitrag zur höheren Akzeptanz von visuellen Formaten unter Teilnehmern geleistet. Auch mit zunehmendem Wissen um die neurobiologischen Zusammenhänge entstehen neue Erfahrungen und Übungsanlässe, die Wort und Bild virtuell abwechslungsreich zu ergänzen.

Beispiel: Wenn ich eine Session zu Vertrauensbildung (zum vermehrten Einsatz Sozialer Medien o.ä.) machen möchte, kann ich (statt oder ergänzend zu einem klassischen Vortrag) gemeinsam mit den Teilnehmer:innen bei ihrem eigenen Erleben ansetzen. In einer interaktiven Einheit beschäftigt jeder sich erstmal mit den eigenen „Dämonen“ (Tiny Demons), die Vertrauen im Wege stehen, zeichnet diese, um ihnen dann kreativ den Schrecken zu nehmen. Diese Arbeit schafft direkten Bezug und das Spielerisch-ernste macht den Kopf frei für kreative Zusammenarbeit für die ganze Gruppe.

Wer frisch einsteigt, ist gut beraten, sich Unterstützung bei einem Facilitator zu holen und ggf. die Veranstaltung begleiten zu lassen. Denn wie bei analogen Veranstaltungen auch werden die Weichen bei der Planung gesetzt.

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