3. Virtuelle Konferenzen und Veranstaltungen für digitale Einsteiger:innen

8 Tipps, wie es gelingt Menschen den Einstieg in die virtuelle Welt zu erleichtern

Wen können wir mit virtuellen Veranstaltungen überhaupt erreichen?

Eine ganze Menge! Laut des aktuellen Digital 21-Index sind inzwischen 87 % aller Menschen in Deutschland Onliner:innen.

Also sozusagen fast alle?

Naja, ganz so einfach ist es dann doch nicht. Online sein heißt nur, dass diese Personen Zugang zum Internet haben. Mehr aber auch nicht. Es sind vor allem ältere Menschen und Menschen mit geringer formaler Bildung, die zu den knapp 20 % der sogenannten digital Abseitsstehenden gehören. Das sind all die Menschen, die de facto nicht an der digitalen Welt teilhaben können. Entweder, weil sie über keinen Internetzugang verfügen oder weil ihre digitale Kompetenz maximal zum gelegentlichen Googlen oder E-Mails-abrufen ausreicht, sie vom Buchen eines Bahntickets oder einer Konzertkarte aber schon überfordert sind.

Insgesamt sprechen wir von circa 16 Millionen Menschen in Deutschland. Die sozialen, ökonomischen und kulturellen Ressourcen, die die digitale Welt bereithält, sind für sie nahezu unerreichbar und vermutlich auch weitgehend unvorstellbar. Noch deutlich mehr Menschen fühlen sich überfordert und sind von einer selbstbestimmten Nutzung digitaler Medien weit entfernt.

Da muss man doch was machen!

Auf jeden Fall! Das folgende Kapitel soll dabei helfen, möglichst vielen Menschen die Teilnahme an virtuellen Veranstaltungen zu ermöglichen. Wir haben hierzu ein paar Tipps zusammengestellt, die wir aus eigenen Erfahrungen abgeleitet haben und mit den entsprechenden Zielgruppen sammeln konnten.

Hier zunächst der Überblick über unsere Tipps:

  1. Eigene Vorurteile über vermeintlich digital schwer erreichbare Zielgruppen hinterfragen. Die ersten Barrieren befinden sich häufig im eigenen Kopf!

  2. Testen, testen, testen... Gerade digitale Einsteiger*innen brauchen Möglichkeiten um sich zu vergewissern, dass die eigene Technik und der Umgang damit reibungslos funktionieren.

  3. Niedrigschwellige Einstiegsangebote ermöglichen. Eine eher informelle virtuelle Gesprächsrunde eignet sich besser zum Einstieg als eine große formelle Veranstaltung.

  4. Hybrid als Einstieg in virtuelle Formate. Für wen die Teilnahme alleine am eigenen Rechner nicht in Frage kommt, kann das gemeinsame Teilnehmen mit anderen in einem Raum die Schwelle deutlich senken

  5. Die Teilnehmendenperspektive auf dem Schirm haben. Nur wenn ihr wisst, was die Teilnehmenden sehen, könnt ihr ihnen tatsächlich bei Problemen helfen.

  6. Screenshot-Anleitungen und Videos in der Sprache der Zielgruppe bereitstellen. Hierfür sollte man die Nutzer*innen frühzeitig auch bei der Entwicklung solcher Materialien einbinden.

  7. Eigene Räume für den Support von Einsteiger*innen bzw. für das Troubleshooting z.B. als Break-Out-Räume anbieten.

  8. Negative Dynamiken vermeiden - Die technischen Schwierigkeiten Einzelner sollte man ernst nehmen, aber sie dürfen nicht die gesamte Veranstaltung dominieren

Wichtiger Hinweis, bevor es losgeht: Hier geht es nicht um das Thema Barrierefreiheit. Das Kapitel zielt darauf ab, unerfahrene Nutzer*innen einen möglichst unkomplizierten und barrierearmen Zugang zu digitalen Veranstaltungen zu ermöglichen. Das alleine ist bereits sehr anspruchsvoll. Barrierefreie Veranstaltungen gehen allerdings noch einen Schritt weiter und schaffen alle Voraussetzungen dafür, dass auch Menschen mit verschiedenen Sinneseinschränkungen ungehindert teilnehmen können. Wie das funktioniert, könnt ihr im Kapitel "Inklusiv und barrierefrei tagen" nachlesen.